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Grundlagen der Vererbung und Rassezucht

Die Vererbungslehre von Gregor Johann Mendel (1822 bis 1884) besagt im sogenannten Uniformit├Ątsgesetz: ÔÇ×Kreuzt man reinerbige (homozygote) Individuen, deren Genom sich in einem Allelpaar unterscheiden, so sind alle Nachkommen der ersten Tochtergeneration untereinander identisch bzw. gleich (uniform)“.

Das zweite Mendelsche Gesetz (Spaltungsgesetzt) besagt:“ Wenn man genetisch identische heterozygote Individuen kreuzt, so sind nicht alle Nachkommen der ersten Tochtergeneration genetisch identisch, sondern spalten sich nach den Zahlenverh├Ąltnis 1:2:1 in drei Typen auf (Spaltung)“.

Das dritte Mendelsche Gesetz (Unabh├Ąngigkeitsgesetz), gilt unter Vorbehalt, besagt: “Wenn man homozygote Individuen kreuzt, die sich in mindestens zwei Allelpaaren voneinander unterscheiden, so werden die einzelnen Allele unabh├Ąngig voneinander vererbt. Es kann dabei zu einer Neukombination der Erbanlagen kommen.

Dieses Gesetz gilt nur, wenn sich beteiligte Genorte entweder auf unterschiedlichen Chromosomen befinden oder auf demselben Chromosom, dann aber gen├╝gend weit voneinander entfernt, um mit hoher Wahrscheinlichkeit durch crossing over getrennt zu werden   

Georg Johann Mendel ist mit 21 Jahren zu den Augustiner M├Ânchen gekommen und entdeckte 1865 die nach ihm benannten Mendelschen Gesetze. Er f├╝hrte 8 Jahre lang systematisch Kreuzungsversuche mit Erbsen und Bohnen durch. Es waren 355 k├╝nstliche Befruchtungen, zog 12.980 Nachkommen heran und untersuchte dazu ca. 350.000 Erbsensamen.

Mendels Originalarbeit steht unter folgender Internetseite der Uni Hamburg Zur Verf├╝gung:

www.biologi.uni-hamburg.de/b-online/d08_mendel.htm

In den Zellkernen aller Lebewesen gibt es eine f├╝r jeder Art festgelegte Anzahl von Chromosomen. Die Gebilde sind chemisch sehr kompliziert aufgebaut und sehen aus wie um die eigene Achse gedrehte Strickleitern.

Auf diesen Chromosomen - Strickleitern sitzen die Gene an genau festgelegten Pl├Ątzen. Ein Gen ist, verk├╝rzt gesagt, der Ausl├Âser f├╝r ein bestimmtes Merkmal, z.B. die Gefiederfarbe. In den K├Ârperzellen sind alle Chromosomen doppelt vorhanden. Nur weibliche Geschlechtschromosomen bestehen bei V├Âgeln aus einem ungleichen Chromosomenpaar. Ein Chromosomenpaar besteht aus einem Chromosom des Vaters und einem Chromosom der Mutter. Aber in den Keimzellen ist nur noch ein einfacher (haploider) Chromosomensatz, also keine paarigen Chromosomen mehr vorhanden. Kommt es nun zu einer Befruchtung, B bis M├Ąnnliche Keimzelle A verschmilzt mit der weiblichen Keimzelle B, dann entsteht eine neue Zelle AB, die wieder einen doppelten Chromosomensatz hat (aus A+B). Diese neue Zelle AB ist die Urzelle des neuen Lebens. Ist ein Tier A reinerbig, dann haben beide Chromosomen eines Chromosomenpaares die gleichen Gene f├╝r bestimmte Merkmale (z.B. f├╝r braunes Gefieder). Ist ein B Tier spalterbig, dann hat es auf einem Chromosom z.B. ein Gen f├╝r braunes, auf dem anderen Chromosom ein Gen f├╝r wei├čes Gefieder. Trotzdem k├Ânnen beide Tiere braunes Gefieder haben. Im Fall A sind Phaenotyp-(├Ąu├čere Merkmale) und Genotyp-(Genanlagen) einheitlich. Im Fall B ist aber der Gentyp uneinheitlich und die Anlage f├╝r das braune Gefieder hat sich durchgesetzt, sie ist st├Ąrker, was als -dominant- bezeichnet wird, w├Ąhrend die Anlage f├╝r wei├če Federn schw├Ącher, also -rezessiv-(zur├╝cktretend) ist. Oft sind die Verh├Ąltnisse aber viel komplizierter als im diesen Beispiel, da meistens mehrere Gene f├╝r ein Merkmal zusammenwirken m├╝ssen, oder es kommt zu -Mutationen-, pl├Âtzlich auftretenden Anlagever├Ąnderungen. F├╝r die Zucht wird es dem Anf├Ąnger erst einmal gen├╝gen, zwei Mendelsche Regeln zu kennen.

Uniformit├Ątsregel

Setzen wir voraus, das jedes der beide Elterntiere reinerbig sind (zwei gleiche Gene der Gefiederfarbe), das erste Tier hat reinerbig braun, das andere Tier reinerbig wei├č. Nach der Regel haben dann die K├╝ken die Mischform der Elterntiere.

Uniformit├Ątsregel - Grafik  -Vererbungslehre-

Spaltungsregel

Wenn sich nun zwei, aus der Uniformit├Ątsregel entstandenen Nachkommen miteinander paaren, kommt es zu einer Aufspaltung der genetischen Anlagen.

W├╝rden vier K├╝ken schl├╝pfen, dann ist im Durchschnitt, als ├Ąu├čeres Merkmal, ein K├╝ken braun, mit zwei gleichen Genen f├╝r braun und das zweite K├╝ken w├Ąre wei├č mit ebenfalls zwei Genen f├╝r wei├č. Die beiden anderen K├╝ken w├╝rden wieder eine Mischform mit gemischfarbigen ├Ąu├čeren und zwei verschiedenen Genen ergeben. Dieses w├╝rde man eine Aufspaltung nennen, die bei einem Anlageverh├Ąltnis 25% reinerbig braun, 25% reinerbig wei├č und 50% dazwischenliegend farbig sein w├╝rde.

Aber es gibt noch den dominant-rezessiven Vererbungsgang. Nehmen wir an, die Farbe Braun ist dominant, setzt sich also gegen├╝ber Wei├č (oder einer anderen Farbe) durch, dann geschieht folgendes: “Ein reinerbig wei├čes und ein reinerbiges braunes Tier paaren sich, und die K├╝ken haben dann alle braune Gefieder, da braun das dominante Merkmal in diesem Beispiel ist. Der Ph├Ąnotyp (die ├Ąu├čeren Merkmale) ist bei allen K├╝ken gleich, aber der Genotyp ist unheitlich, d.h., die Tiere haben zwei verschiedene Gene, sind also im Genotyp in der ersten Generation wieder Mischformen. Paaren sich nun zwei dieser Nachkommen, tritt wieder die Spaltungsregel in Kraft. Dabei entsteht wieder das Verh├Ąltnis 1:2:1. Aber nur im Genotyp, denn da die Farbe Braun dominant ist, tragen auch die Tiere mit zwei verschiedenen Genen braune Federn. Das K├╝ken mit den zwei gleichen Genen f├╝r schwarz (reinerbig) ist also braun, die beiden Mischtypen tragen ebenfalls braun, und nur ein Tier hat zwei Gene f├╝r weisse Federn (reinerbig) und ist folglich wei├č. F├╝r die Rassenzucht ist diese Zuchtform von grosser Bedeutung, kann aber auch, wenn sie l├Ąngere Zeit betrieben wird, zu Inzuchtsch├Ąden f├╝hren. Darum m├╝ssen immer wieder Tiere einer anderen Linie (z.B. von anderen Eltern, aber von der gleichen Rasse) und zeitweilig auch von einer anderen Rassen eingekreuzt werden, wobei immer nur ein weibliches Tier hinzukommt, damit nicht die gesamte Nachzucht einer Herde au├čer Kontrolle ger├Ąt. Setzt man n├Ąmlich statt dessen einen Hahn neu hinzu, k├Ânnen sich evtl. auftretende unerw├╝nschte Merkmale in der gesamten Nachzucht auswirken, w├Ąhrend bei einer neu hinzugesetzten Henne nur deren K├╝ken betroffen sind.

Nat├╝rlich muss auch ├Âfters einmal der Hahn ausgewechselt werden, aber daf├╝r w├Ąhlt man dann lieber einen Junghahn der gleichen Linie. Viele Z├╝chter halten mehrere Linien, also mehrere Inzuchten, deren Merkmale mit hoher Wahrscheinlichkeit reinerbig sind. Diese Linien werden untereinander wieder verbunden, um weitere positive Merkmale zu vereinigen. Trotzdem muss auch in diese Zuchtst├Ąmme immer mal wieder eine fremde Glucke eingekreuzt werden. Es ist sinnvoll, diese sogenannten Zuchtst├Ąmme m├Âglichst klein zu halten, also etwa ein Hahn und f├╝nf Hennen, damit auch die ranghohen, also besonders vitalen Hennen gedeckt werden. Denn wie man weiss, entziehen sich ranghohe Hennen, die aber wichtig f├╝r eine gute Nachzucht sind, gerne dem Tretakt. Legt eine Henne dann trotzdem st├Ąndig unbefruchtete Eier, hilft nur, sie zu einem anderem Zuchtstamm und dessen Hahn zu setzen. Auch f├Ąllt es bei so kleinen Zuchtst├Ąmmen leicht, nach einiger Beobachtung die Eier mit ihrer individuellen Form und Farbe den jeweiligen Hennen zuzuordnen, ohne die f├╝r die Tiere unangenehmen Fallnester zu verwenden, aus denen die Hennen nach dem Legen erst vom Menschen wieder befreit werden m├╝ssen. Um aber eine richtige Zucht durchf├╝hren zu k├Ânnen, muss nat├╝rlich gekl├Ąrt werden, welches Ei von welcher Henne ist. Die Eier einer Henne d├╝rfen dann aber zusammen nur einer Glucke untergelegt werden, ohne noch andere Eier mitbebr├╝ten zu lassen, sonst weiss man nach dem Schlupf wieder nicht, wer die Elterntiere der K├╝ken sind. 

Spaltungsregel  -Grafik  -Vererbungsregel-

Funktion der m├Ąnnlichen Geschlechtsorgane

├äu├čere Einfl├╝sse auf die Fruchtbarkeit des Hahnes

Mit freundlicher Genehmigung von Andr├ę Missbach, Redaktion Gefl├╝gelzeitung

Hobby- und Kleintierz├╝chter Verlagsgesellschaft mbH & Co KG 10713 Berlin, Wilhelmsaue 37

Aus der Natur ist bekannt, dass Pflanzen Stoffe erzeugen k├Ânnen, die die Reproduktivit├Ąt von V├Âgeln verbessern Das Ergebnis ist eine Erh├Âhung der

Befruchtungsrate, eine verbesserte Schlupfrate und damit beim Huhn eine h├Âhere Zahl geschl├╝pfter Eintagsk├╝ken. Dieses Ziel kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden, wobei das befruchtete Ei am Anfang aller ├ťberlegungen steht. Denn nur dieses kann als Brutei angesehen werden. Nun ist bekannt, dass Stresssituationen

jedes Organsystem im K├Ârper der Zuchttiere durch Bildung von Stresschemikalien sch├Ądigen k├Ânnen, und damit auch das Reproduktionssystem. Daher ist es die Aufgabe des Z├╝chters, alle Faktoren zu vermeiden, die einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit und die Schlupff├Ąhigkeit aus├╝ben k├Ânnen. Dabei kann dem medizinischen Wert von Pflanzen eine wichtige Bedeutung zukommen. Die darin enthaltenen Wirkstoffe, auch als Phytochemikalien bezeichnet, besitzen eine wichtige, Stress mindernde Aktivit├Ąt, die schon den Urmenschen zur F├Ârderung der eigenen Gesundheit bekannt war. Daher werden in der Humanmedizin viele Produkte aus der Pflanzenmedizin angeboten, die nat├╝rlich auch in der Veterin├Ąrmedizin eingesetzt werden k├Ânnen. Dar├╝ber hinaus spielen aber auch viele in der Natur vorkommende Pflanzen eine wichtige Rolle, die den Tieren in zerkleinerter Form direkt angeboten werden k├Ânnen. Diese Erkenntnisse wurden in

der kommerziellen Gefl├╝gelzucht in den letzten Jahren wieder entdeckt, vor allem in der Zucht von Masttieren. Bedingt durch die Erh├Âhung des Gewichtes und das schnelle Wachstum der Broiler, wurden auch die Zuchttiere f├╝r diesen Produktionszweig immer schwerer, womit dann eine Reduktion der Reproduktivit├Ąt

verbunden war, dabei nahm auch die Befruchtungsrate ab. Vor allem in der zweiten H├Ąlfte der Legeperiode der Zuchthennen nahm die Zahl unbefruchteter Eier zu. Das war der Grund, dass die Z├╝chter sich Gedanken dar├╝ber machten, wie die Qualit├Ąt des Samens der H├Ąhne verbessert werden k├Ânnte, vor allem auch die Menge der abgegebenen Samenzellen pro Tretakt, denn hierbei sind die Zuchth├Ąhne in der Broilerzucht sehr aktiv. Dabei ist es nicht damit getan, tatenlos zuzusehen, sondern der Z├╝chter muss sich Gedanken ├╝ber das biologische Geschehen rund um den Befruchtungsvorgang machen.

Bildung der Spermien

Wie bei allen Wirbeltieren werden die Samenzellen, die als Spermien bezeichnet werden, in den Hoden produziert. Sie beinhalten die genetische Information des m├Ąnnlichen Tieres. Der Zuchthahn besitzt zwei verh├Ąltnism├Ą├čig gro├če Hoden, die innerhalb der Bauchh├Âhle beidseitig des R├╝ckenmarks liegen. Bei der Schlachtung eines geschlechtsreifen Hahnes lassen sie sich dort leicht erkennen und werden von der Hausfrau bei der Zubereitung des Tieres entfernt.

Die Bildung der Spermien dauert beim Hahn etwa zwei Wochen. Die reife Samenfl├╝ssigkeit des Hahnes beinhaltet etwa 3 bis 4 Millionen Samenzellen pro ccm. Wenn der Hahn seine Geschlechtsreife erreicht hat und optimal versorgt wird, werden in jeder Sekunde seines Lebens etwa 35.000 Spermien gebildet, eine fast unvorstellbare Zahl. Daher reagiert das Reproduktionssystem des Hahnes auch sehr empfindlich auf alle Umweltst├Ârungen. Unter schlechten Bedingungen schrumpfen die Hoden, wodurch nat├╝rlich auch die Samenproduktion negativ beeinflusst wird.

Wenn die Spermien die Hoden verlassen, wandern sie zun├Ąchst in die Nebenhoden, wo sie die F├Ąhigkeit zur Bewegung erlangen. Die Nebenhoden sind beim Gefl├╝gel auffallend kleiner als bei S├Ąugetieren. Anschlie├čend gelangen die nun reifen Spermien in die Samenleiter, die beiderseits in geschl├Ąngelter Form parallel zur Wirbels├Ąule verlaufen. Hier verbleiben sie bis zum Tretakt des Hahnes, und werden dann an die Zuchthenne abgegeben.

Bei jedem Tretakt wird nur eine gewisse Menge Samenfl├╝ssigkeit abgegeben. Die dabei ├╝bertragenen Spermien wandern innerhalb einer Stunde zun├Ąchst im Eileiter der Henne aufw├Ąrts und werden dann in Speicherdr├╝sen gelagert. Dabei nimmt die Befruchtungsf├Ąhigkeit allm├Ąhlich ab und es hat sich gezeigt, dass alte abgelagerte Spermien oft nur schwache Embryonen entstehen lassen, womit dann vielfach ein fr├╝her Embryonaltod verbunden ist. Aus diesem Grunde wird in Forschungsinstituten auch im Fall einer k├╝nstlichen Besamung diese in kurzen Abst├Ąnden wiederholt, um sicherzustellen, dass nur frische Spermien im Eileiter gespeichert werden.

F├╝r die Praxis bedeutet dies, dass der Tretakt durch den Hahn h├Ąufig genug wiederholt wird, um sicherzustellen, dass relativ frische und lebensf├Ąhige bewegliche Spermien zum Zeitpunkt der Ovulation der Henne f├╝r eine erfolgreiche Befruchtung zur Verf├╝gung stehen. Bei jedem Tretakt werden etwa 1 bis 2 Millionen Spermien ├╝bertragen. Dabei ist die Zahl der Spermien bei einem Tretakt am Morgen h├Âher als am Abend. Ein abendlicher Tretakt kann auch nur eine symbolische Handlung sein, ohne Abgabe einer gr├Â├čeren Spermienmenge.

Unabh├Ąngig davon muss sich der Z├╝chter aber dar├╝ber im Klaren sein, dass die Spermien des Hahnes, wie bei vielen anderen V├Âgeln, eine mehrt├Ągige Lebensdauer besitzen, wenn sie einmal in die Speicherdr├╝sen im Eileiter der Henne gelangt sind. Das stellt sicher, dass die beim Tretakt ├╝bertragenen Spermien die notwendige Zeit besitzen, um rechtzeitig aus den Speicherdr├╝sen zum Infundibulum der Henne zu wandern, wo die eigentliche Befruchtung erfolgt.

Diese Tatsache ist zu ber├╝cksichtigen, wenn in der Rassegefl├╝gelzucht ein Hahn ausgewechselt werden soll, denn erst nach ca. 14 Tagen kann man davon ausgehen, dass die dann gewonnenen Bruteier ├╝berwiegend von dem neuen Hahn befruchtet worden sind. Da r├╝ber hinaus ist nat├╝rlich die Fruchtbarkeit einzelner H├Ąhne unterschiedlich, was sich besonders unangenehm bemerkbar machen kann, wenn nur kleine Zuchtst├Ąmme mit jeweils einem Hahn zusammengestellt worden sind. In einer gro├čen Herde mit mehr als 100 Tieren und mehreren H├Ąhnen gleicht sich die Befruchtungsrate innerhalb der Herde aus, da die eingesetzten H├Ąhne ziemlich wahllos alle zur Paarung bereiten Hennen treten. Auf dieser Tatsache beruhen auch die hohen Befruchtungs- und Schlupfraten der kommerziellen Gefl├╝gelzucht. F├╝r alle Variationen gilt aber, dass die Befruchtungsqualit├Ąt des Zuchthahnes nicht zuletzt von der Haltung, dem Umfeld sowie der F├╝tterung abh├Ąngig ist, wobei auch die genetische Konstitution nicht unerw├Ąhnt bleiben soll. Eine hohe Inzuchtrate kann, muss aber nicht, mit einer schlechten Befruchtung in Verbindung gebracht werden.

Beweglichkeit der Spermien

Seit der Einf├╝hrung der k├╝nstlichen Besamung in der landwirtschaftlichen Tierzucht ist bekannt, dass nicht nur die Zahl der Spermien f├╝r den Befruchtungserfolg von Bedeutung ist, sondern vor allem auch die Beweglichkeit der Spermien. Damit wird die Lebensf├Ąhigkeit der m├Ąnnlichen Geschlechtszellen gemessen. Dar├╝ber hinaus spielt nat├╝rlich auch das m├Âglichst gleichm├Ą├čige, einem Standard entsprechende

Aussehen dieser Zelle eine wichtige Rolle. Naturgem├Ą├č kann eine entsprechende Untersuchung nur durchgef├╝hrt werden, wenn das m├Ąnnliche Sperma getrennt von den weiblichen Geschlechtsorganen gewonnen wird und somit f├╝r eine mikroskopische Untersuchung zur Verf├╝gung steht. Ansonsten spielt sich alles im Dunklen ab und wir k├Ânnen nur aus dem Befruchtungsergebnis ableiten, dass alles in Ordnung ist oder dass vielleicht auch Probleme bestehen.

Die Beweglichkeit der m├Ąnnlichen Geschlechtszellen l├Ąsst sich leicht unter dem Mikroskop nachweisen, wobei auch der Prozentsatz ver├Ąnderter oder unbeweglicher

Spermien ermittelt werden kann, von denen keine Befruchtung zu erwarten ist. Eine hohe Beweglichkeit der Spermien ist notwendig, damit diese nach dem Tretakt aktiv das obere Ende des Eileiters erreichen, in dem sich die Speicherdr├╝sen f├╝r die

Samenzellen befinden, wo die Spermien zun├Ąchst gespeichert werden. Dabei ist zu ber├╝cksichtigen, dass die Summe der Beweglichkeit von Ejakulat zu Ejakulat schwanken kann, und auch bei einzelnen H├Ąhnen oft unterschiedlich ist.

Aus der Kenntnis dieser Tatsache heraus wird immer wieder nach Wegen gesucht, um die Zahl beweglicher und aktiver Samenzellen im Ejakulat zu erh├Âhen. Hierzu z├Ąhlt eine Kombination ├Ąu├čerer Einfl├╝sse wie die Qualit├Ąt der F├╝tterung, die Temperatur und die Auswahl der Zuchth├Ąhne w├Ąhrend der Aufzucht, die zusammen die Grundlage f├╝r das zuk├╝nftige sexuelle Verhalten der Zuchth├Ąhne bilden.

Weibliche Geschlechtsorgane

Die weiblichen Geschlechtsorgane sollen nur soweit erw├Ąhnt werden, wie sie von Bedeutung f├╝r die Befruchtung des Eies sind, denn eine ausf├╝hrliche Darstellung ist zu einem fr├╝heren Zeitpunkt erfolgt. Generell bestehen die weiblichen Geschlechtsorgane aus dem Eierstock sowie dem Eileiter mit seinen unterschiedlichen Abschnitten. Die Henne legt bei weitem nicht so viele Eier wie der Hahn Spermien erzeugt, obwohl im Eierstock ein Vielfaches an Eizellen angelegt ist. Die Zahl der gelegten Eier im ersten Jahr liegt etwa zwischen 25 bis 220 St├╝ck, je nach Rasse (bzw. genetischer Veranlagung). In der kommerziellen Gefl├╝gelzucht k├Ânnen auch mehr als 300 Eier pro Legeperiode erreicht werden. In weiteren Legejahren sinkt das Ergebnis der j├Ąhrlichen Eierproduktion.

Das fertige Ei ben├Âtigt etwas mehr als 24 Stunden f├╝r seine Entwicklung, sodass nicht jeden Tag ein Ei gelegt werden kann. Im Eierstock wird innerhalb von 19 Tagen

der Dotter entwickelt, der bei seiner Reife bei einer normalen Henne etwa 35 mm Durchmesser besitzt. Die Dotterkugel bei Zwergh├╝hnern ist nur wenig kleiner. Da

die H├╝hner w├Ąhrend der Legeperiode in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden Eier legen, finden sich am Eierstock Dotterkugeln in unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Das Gebilde

├Ąhnelt dann einer Weintraube.

Die Dotterkugel enth├Ąlt alle notwendigen Grundstoffe f├╝r die Embryonalentwicklung sowie auch notwendige Antik├Ârper aus dem Blut der Zuchthenne, um das ├ťberleben des geschl├╝pften K├╝kens zu sichern. Auf der Dotterkugel l├Ąsst sich ein kleiner wei├čer Punkt erkennen, die weibliche Geschlechtszelle, auch als Keimscheibe bezeichnet.

Die reife Dotterkugel wird vom Eierstock freigesetzt und vom Beginn des Eileiters, der als Infundibulum bezeichnet wird, umschlossen. In diesem Bereich findet

innerhalb der ersten Viertelstunde nach Freisetzen der Dotterkugel die Befruchtung statt.

Die Befruchtung

Als Befruchtung wird die erfolgreiche Vereinigung einer m├Ąnnlichen Samenzelle mit der weiblichen Eizelle bezeichnet. Voraussetzung ist eine Vielzahl von Ereignissen, die im Verh├Ąltnis zwischen Hahn und Henne ablaufen. Hierzu z├Ąhlt zun├Ąchst der

erfolgreiche Tretakt des geschlechtsreifen Hahnes oder auch die k├╝nstliche

Befruchtung. Auch muss die Henne bereit sein, sich vom Hahn treten zu lassen. Es folgt die Aufw├Ąrtswanderung der ├╝bertragenen Spermien innerhalb des Eileiters bis

zu den Speicherdr├╝sen. Von dort aus umschw├Ąrmen die beweglichen Spermien die auf der Dotterkugel liegende Eizelle mit dem Ziel in diese einzudringen. Dabei dringen viele Samenzellen in die oberen Schichten der Dotterkugel ein. Aber nur ein

Spermium ist letztendlich erfolgreich und vereinigt sich mit der Keimscheibe. Man geht dabei davon aus, dass mindestens 30 Spermien in die ├Ąu├čeren Dotterschichten in der N├Ąhe der Keimscheibe eindringen m├╝ssen, um eine 95-prozentige Sicherheit

der Befruchtung zu garantieren. Durch die Vielzahl der den Dotter umschw├Ąrmenden Spermien ist eine hohe Sicherheit der erfolgreichen Befruchtung gegeben. Die nicht eingedrungenen Samenzellen warten auf eine weitere Chance, bzw. gehen nach einigen Tagen zugrunde.

Eine erfolgreiche Befruchtung muss innerhalb der ersten 15 Minuten nach der Freisetzung der Dotterkugel erfolgen, da dann die restliche Fertigstellung des Eies im Eileiter beginnt und die Spermien keine Chance mehr haben, in die Keimscheibe einzudringen. Auf die weitere Entwicklung des Eies und seine Behandlung als Brutei

soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden; aber es soll noch einmal auf die Bedeutung des Befruchtungsvorganges hingewiesen werden, der am Anfang der Entwicklungskette steht und damit auf die besondere Aufgabe des Zuchthahnes,

der in der Rassegefl├╝gelzucht mindestens die halbe Herde verk├Ârpert. Wenn er versagt, ist schnell ein Zuchtjahr verloren, bzw. die Zahl der gewonnenen Eintagsk├╝ken ist geringer als erwartet.

Verbesserung der geschlechtlichen Aktivit├Ąt des Hahnes

Generell gilt, dass die geschlechtliche Aktivit├Ąt des Hahnes mit dem Alter abnimmt, sodass von mehrj├Ąhrigen H├Ąhnen nicht das Ergebnis erwartet werden kann, wie bei j├╝ngeren Tieren. Und hier setzt die Aufgabe des Z├╝chters ein, der durch eine geeignete Haltung und F├╝tterung daf├╝r Sorge tragen muss, dass die Libido

(Bereitschaft zur Paarung) m├Âglichst lange erhalten bleibt. Hierzu z├Ąhlen pflanzliche Produkte, die in verschiedenen Regionen der Welt wachsen und die wegen ihrer stimulierenden Wirkung auch als ÔÇ×Ayurveda-Pflanzen“ bezeichnet werden. In Drogerien und Reformh├Ąusern lassen sich Produkte erwerben, die z.B. Schlafbeeren, Erd-B├╝rzeldorn, Juckbohnen, indische Holzrose oder die kamillen├Ąhnliche Bertramwurzel enthalten.

Letztere wurde bereits von Hildegard von Bingen in ihren Werken erw├Ąhnt. Allen diesen Pflanzen oder auch Ausz├╝gen aus diesen Pflanzen ist gemeinsam, dass sie eine stimulierende Wirkung entfalten und einen schwachen Sexualtrieb erh├Âhen. Die Zahl der Spermien pro Ejakulat nimmt zu, aber auch die Beweglichkeit der Samenzellen. In vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen wird ├╝ber eine Erh├Âhung der Befruchtungsrate und damit eine h├Âhere Zahl von Eintagsk├╝ken

in der kommerziellen Gefl├╝gelzucht berichtet. Diese Tatsache sollte auch f├╝r den Rassegefl├╝gelz├╝chter interessant sein, in dessen Best├Ąnden Befruchtungs- und Schlupfraten meist deutlich unter den Zahlen der kommerziellen Gefl├╝gelzucht liegen.

Neben den o.g. Pflanzenextrakten gibt es eine Reihe weiterer, die als Aphrodisiakum wirken und die der Rassegefl├╝gelz├╝chter seinen Tieren anbieten kann. Genannt

werden sollen hier u.a. Knoblauch, M├Ânchspfeffer, Petersilie und Sellerie, sowie eine Vielzahl von Gew├╝rzkr├Ąutern, die auch in der heimischen K├╝che Verwendung finden.

Hierzu gibt es ein vielf├Ąltiges Angebot von Phytopharmaka (Wirkstoffe aus Pflanzen), die man nur suchen und seinen Tieren anbieten muss. Weitere Hinweise finden

sich in einschl├Ągiger Literatur. Quelle: Gefl├╝gelzeitung (siehe auch Artikelanfang)